Das aber lag vielleicht nicht nur daran, dass sie Meinungen mitteilen wollten, sondern auch daran, dass sie ohne die Sprache der Gegend, mit der sie so wenig einig waren, nicht leben konnten, dass sie sich von dieser Sprache nehmen mussten, was sie brauchten, und ihr gaben, was sie hatten. Daß es genüge, die Ordnung im Kopf zu haben.“ Und dann folgt in diesem schmalen, gewaltig wahrheitsbedrängten Buch die Wahrheit, dass das nicht stimmt, denn es ergibt sich eine gleichzeitig intime und zeitgeschichtlich taghelle Szene, deren Ineinanderkrachen von Persönlichem und Krieg eben doch eine Ordnung hat, aber eine entsetzliche: Ein Mann und eine Frau in einer Wohnung, Aufräumprobleme. Was ihn quälte, war die Außenwelt, aber auch Inneres, zu viel Mitleid mit Natur, zu wenig Geduld mit denen, die alles mitmachen, und so genau er beschreiben konnte, wie sich etwas von innen anfühlt, so völlig transparent war ihm dann doch auch die andere Seite unseres menschlichen Hirnlebens, das Argumentieren, Begründen, Herleiten, Folgern, wie man in einem der besten Essaybände, die in deutscher Sprache nach 1945 erschienen sind, nachlesen kann: „Boccherini und andere Bürgerpflichten“ (1976) – über Warenwirtschaft und Geschmack, über Landschaften Italiens, über die Achtundsechzigerbewegung, der er so wenig angehören konnte wie irgendeiner älteren Linken mit klarer, kadertreuer Linie.
Author: Dietmar Dath
Published at: 2026-01-17 13:33:16
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