Doch was er seinerzeit schrieb, deckt sich zu sehr mit dem Wesen der jetzigen Epoche, als daß wir es nicht zitieren dürften: „Die Welt scheidet sich ab in solche, die gezwungen oder freiwillig für Bonapartes Ehrsucht oder dagegen fechten; auf das Gebiet der Länder scheint es hierbei weniger anzukommen als auf das der Grundsätze.“ Genau so war es während des sechsjährigen Krieges, dessen Schrecken noch kein Jahr und doch schon so lange hinter uns liegen, daß viele bereits vergessen haben, wie oft sie gelobten, mit trockenem Brot zufrieden zu sein, wenn nur erst keine Bomben mehr fielen. Als der Herzog von Wellington einmal über seine und seines Gegners Taktik befragt wurde, antwortete er: „Sein Pferd hat ein Zaumzeug, wie es glänzender nicht aus der Werkstatt des besten Sattlers hervorgehen kann, wenn aber ein Riemen bricht oder eine Schnalle zerspringt, taugt es zu nichts mehr; mein Pferd ist bloß mit Stricken gezäumt, und wenn einer davon reißt, mache ich einen Knoten, und die Sache ist in Ordnung.“ Um die Aufgabe gegenüber einem Jahrhundert vorwärtszutreiben, dessen schlechter Ruf im Ueberblick späterer Generationen vermutlich auf alle zurückfallen wird, die in ihm lebten, sollte man nicht warten, bis das deutsche Volk die Stricke durch ein funkelndes Geschirr ersetzt, sondern, sobald es den Knoten gemacht hat, darin einen brauchbaren Anfang anerkennen. Der Berliner „Kurier“ hat vor kurzem eine das Jahrhundert weiter belastende Meldung aus Prag veröffentlicht, und eine bayrische Zeitung hat eine Schilderung aus der Zürcher „Weltwoche“ abgedruckt, die mit der Warnung an die Vorkämpfer der Demokratie schließt, sich nicht dem gleichen Vorwurf auszusetzen, den das vor lauter Hitlergläubigkeit blinde und von dem Getrommel einer „vaterländischen Mission“ betäubte deutsche Volk getroffen hat.
Author: Der Tagesspiegel
Published at: 2026-01-15 16:52:05
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