Ein amerikanischer Präsident, der sich im Ausland um die Entmachtung von Diktatoren, um die Bekämpfung von islamischen Terroristen, um den Schutz von religiösen Minderheiten, um die Sicherstellung der Rechte von Oppositionsparteien kümmert – ist das die erste realistische Variante des insbesondere im linken Spektrum diskutierten Traums einer "Weltinnenpolitik"? Das "ehrgeizige Ziel" einer Weltinnenpolitik ohne Weltregierung, so Habermas 2004 in einem Interview mit den "Blättern für deutsche und internationale Politik", lasse sich allerdings "realistisch nur anstreben, wenn sich die Weltorganisation auf ihre beiden wichtigsten Funktionen – die Friedenssicherung und die globale Durchsetzung der Menschenrechte – beschränkt und die politische Koordination auf den Gebieten der Wirtschaft, der Umwelt, des Verkehrs, der Gesundheit usw. einer mittleren Ebene von Institutionen und Verhandlungssystemen überlässt". Und der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder nutzte 2003 eine Rede vor den Vereinten Nationen zur Erinnerung an seinen Vorvorgänger Willy Brandt, der schon 1980 in seinem Nord-Süd-Bericht erklärte: "Die Globalisierung von Gefahren durch Krieg, Chaos, Selbstzerstörung erfordert eine Art 'Weltinnenpolitik', die über die nationalen Grenzen weit hinausreicht."
Author: Ansgar Graw
Published at: 2026-01-04 08:22:37
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