„Die Szene hat sie in der Straßenbahn erlebt“, sagt er und weist auf eine schicke Dame mit Fuchspelz, die mit größtmöglicher Distanz und blasierter Miene neben zwei jungen unrasierten Männern sitzt, laut Wittmann jüdischen Displaced Persons, die nach 1945 in der Möhlstraße lebten. Erst besucht sie private Malschulen, von 1935 an ist sie an der Akademie, zeichnet bei Adolf Schinnerer, avanciert zur Meisterschülerin von Julius Hess, einem „Französling“, wie ihn die Nationalsozialisten abwertend nannten, weil er von Paul Cézannes Farb- und Formkosmos beeinflusst ist. Es entstehen Porträts, Stillleben, Landschaften und beeindruckende Momentaufnahmen, die Schnappschüssen ähneln: Szenen, die sie in Kaffeehäusern, auf dem Oktoberfest, in Hellabrunn oder auf der Straße beobachtet.
Author: Von Sabine Reithmaier
Published at: 2026-01-07 14:48:56
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