Tristia – Eine Schwarzmeer-Odyssee (2014)

Tristia – Eine Schwarzmeer-Odyssee (2014)


Das geht vom Verkauf von Hunden und Kalaschnikows auf dem Straßenmarkt von Odessa über die immer wieder aufblitzende Abneigung gegen das jeweilige Nachbarvolk – das Mucha natürlich in eigener Anschauung ebenfalls zeigt –, über die Sotschi-Olympia-Baustelle (gedreht wurde im Sommer 2013) und die vielen zerfallenen Bauruinen bis hin zu bizarren Tourismus-Szenen in Bulgarien, wo „Botox mobil, Botox to fuck“ – die Spritze für 100 Euro – angeboten wird und die abendliche Unterhaltung aus dem „Miss Silikon“-Wettbewerb besteht. Dem Untertitel „Eine Schwarzmeer-Oodyssee“ gemäß kommt Mucha immer wieder auf die antiken Mythologien zu sprechen, in der Türkei, wo die Amazonen lebten, in Georgien, wo eine gigantische Medea-Statue steht (2diese Prostituierte!“); und gleich zwei Städte, in der Ukraine und in Bulgarien, nehmen für sich in Anspruch, das Exil von Ovid gewesen zu sein, mit jeweils unterschiedlichen Auslegungen: Ovid als politischer Gegner Caesars, als Autor anstößiger Gedichte, oder als Liebhaber von Caesars Schwester…? Diesen Reminiszenzen an antike Sagen stellt Mucha die modernen Mythologien gegenüber, die sich Politik und Gesellschaft in den Staaten um das Schwarze Meer herum angeeignet haben; was gerne zu Krieg führt, die Kriege um Georgien werden direkt thematisiert (und der aktuelle Ukrainekonflikt nimmt nicht wunder, wenn man diesen Film gesehen hat); massenhaft Leninstatuen in unterschiedlichem Zustand des Verfalls sind zu sehen, ab und zu hat einer auch mal einen freundlichen Hitlergruß für das deutsche Filmteam übrig.

Author: kinoadmin


Published at: 2026-03-16 17:33:39

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