Theaterpremiere in München: Bestrafungsphantasien einer Kneipengemeinschaft

Theaterpremiere in München: Bestrafungsphantasien einer Kneipengemeinschaft


Dies gilt auch für das Werk Anna Gmeyners, die genau wie ihre Zeitgenossin Maria Lazar zu jener Zwischenkriegsgeneration von Autorinnen gehörte, die aus dem liberalen Milieu des jüdischen Wiens stammten, später vor den Nazis ins Exil flohen und erst seit einigen Jahren wieder verstärkt gespielt werden – nicht zuletzt dank der Wiederentdeckung durch Sasha Marianna Salzmann im Rahmen der „Vergessene Stücke“-Reihe im Feuilleton dieser Zeitung. Exemplarisch verkörpern diese Clementine und ihr späterer Geliebter, der von Patrick Isermeyer in seiner Verschlagenheit eindrücklich gespielte Verlierer Pankraz: Der Mensch, so die Wirtin, sei nun mal ein Raubtier, das nur die Sprache der Gewalt verstehe, Ideen von Solidarität oder die Frage nach dem Sinn des Lebens jenseits materieller Zwänge sind, wie es der Schulrat fasst, nur „linke Hetzreden“. Und so verpanzern sich die einen hinter den Masken der Gefühllosigkeit, wie sie Helmut Lethen einst als charakteristisches Merkmal jener „kalten persona“ der Zwischenkriegsliteratur identifizierte, während die anderen den Ausweg aus der Frustration im Rausch der Gewalt suchen.

Author: Benjamin Loy


Published at: 2026-02-18 12:28:37

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