Theater | Romanadaptionen haben Grenzen: Erpenbeck und Poladjan auf Berliner Bühnen

Theater | Romanadaptionen haben Grenzen: Erpenbeck und Poladjan auf Berliner Bühnen


Am Schluss wird das Kwartirnik, das Küchenkonzert in der Gemeinschaftswohnung, durch den Abriss des Wohnhauses verhindert, und hinter einer Tür am Ende des Flurs wartet eine Flusslandschaft mit Schneewehen, Kirschblüten und Sommerwärme auf die Vertriebenen.Das fulminante Ende der Ära Shermin LanghoffKaterina Poladjans Roman bietet enormes szenisches Potenzial. Relevanz verleiht dem Gorki-Abend das live vorgetragene Küchenkonzert nach der Schlussszene: Die russischen Exil-Künstler*innen der Band Stoptime, Sängerin Diana „Naoko“ Loginowa und Gitarrist Alexandr Orlow, die wegen ihrer gegen Putin und Russlands Ukraine-Krieg gerichteten Straßenkonzerte in Sankt Petersburg in Arresthaft genommen wurden und das Land mittlerweile verlassen haben, finden am Haus künstlerisch Asyl.Distanziert von der SchollePapierner gerät Jenny Erpenbecks Heimsuchung am Deutschen Theater. Ein Grund dürfte auch hier die Vorlage sein: Mit ihrer Dramaturgie der Aufdeckung, die in jeder Episode des zeitüberspannenden Romans scham- oder schuldbeladene Taten ihrer Figuren offenlegt, vermeidet – und verhindert – die Autorin Sympathie mit ihrer Personnage, die zudem nur unter Gattungsbezeichnungen auftritt.Der Architekt etwa erwirbt das Grundstück am Scharmützelsee, auf dem die Handlungsstränge zusammenlaufen und das an das Sommerhaus von Erpenbecks Familie erinnert, in den 1930ern billig von den jüdischen Eigentümern.

Author: Elena Philipp


Published at: 2026-01-28 15:45:00

Still want to read the full version? Full article