Maria arbeitet als Aufsicht in einem Naturkundemuseum und wird vom linientreuen Matwej Alexandrowitsch (Doğa Gürer) umschwärmt, der in einem geheimen Institut arbeitet und in seinem Notizbuch akribisch Marias Befindlichkeiten, Flecken auf der Kleidung und andere intime Details verzeichnet. Was nicht in den Dialogen verhandelt wird, wird als Text eingesprochen: »Sechs Mietparteien lebten unter dem bröckelnden Stuck der Gründerzeit, und man ging sich aus dem Weg – soweit es die Umstände erlaubten.« Das wäre hier gar nicht nötig, kann man doch mit Hilfe der Drehbühne (Magda Willi) nacheinander in die einzelnen Zimmer blicken. Sie rotiert hinter einem schwarz gefassten Ausschnitt des Bühnenrahmens und präsentiert die Schauplätze der Handlung als Schachtelräume – Beengtheit und mangelnde Privatheit werden nachvollziehbar: ein Büro, die Küche, Schlafzimmer mit Stockbetten oder Pop-Art-Tapete, das Bad mit bunter Wanne (sehr unrealistisch), der aus Schubladen und Karteikästen bestehende Raum des zwanghaften Matwej und das Naturkundemuseum, gekennzeichnet durch das imposante Vorderbein eines Elchs.
Author: Sabine Lueken
Published at: 2026-01-28 20:53:39
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