Spanien im Streit: Wem gehört „Guernica“?

Spanien im Streit: Wem gehört „Guernica“?


Als der baskische Ministerpräsident Imanol Pradales in der vergangenen Woche den spanischen Regierungschef Pedro Sánchez aufforderte, die Ausleihe von Picassos Gemälde „Guernica“ zu genehmigen, wusste er, dass er in einer fünfzig Jahre alten Tradition stand: Mindestens so lange schon fordern baskische Politiker, Künstler und Intellektuelle, dass eines der bedeutendsten Kunstwerke des 20. Jahrhunderts endlich in der Region ausgestellt werden kann, deren Verwüstung das fast acht Meter lange und 3,50 Meter hohe Werk auf verschlüsselte Weise darstellt. Eine der jüngsten Episoden fand am 9. Februar 2003 im Weltsicherheitsrat in New York statt, als sich die Vereinten Nationen zum Krieg gegen den Irak entschlossen und der „Guernica“-Wandteppich im Sitzungszimmer aus Opportunitätsgründen mit einem blauen Tuch verhüllt wurde: Niemand wollte vor Fernsehkameras den schreienden Widerspruch zwischen der aktuellen Kriegsentscheidung und dem symbolisch hochgehaltenen Friedensappell offenlegen. Dies sei ein Akt der Wiedergutmachung, der Anerkennung der Leiden des baskischen Volkes und der „memoria histórica“ – ein schillernder Begriff, der auch dem ersten, unvollkommenen Gesetz der Zapatero-Regierung zum Opfergedenken aus dem Jahr 2007 den Namen gab.

Author: Paul Ingendaay


Published at: 2026-03-30 14:58:13

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