Nahezu vier Jahre nach Beginn von Russlands Vollinvasion in die Ukraine trafen sich in der Berliner Akademie der Künste der in den ukrainischen Streitkräften dienende Schriftsteller Serhij Zhadan und der Historiker Karl Schlögel, zwei Friedenspreisträger des deutschen Buchhandels, um unter dem Titel „Seit Jahren reden wir vom Krieg“ die Lage zu bilanzieren. Bei dem von der Bundeszentrale für politische Bildung und dem Deutsch-Ukrainischen Büro organisierten Podiumsgespräch bekundete der 77 Jahre alte Schlögel, der 2014 Russlands gewaltsame Installation der Donezker „Volksrepublik“ live beobachtete und seither unermüdlich Unterstützung für die angegriffene Ukraine einklagt, seine Dankbarkeit dafür, dass Zhadan, den die Armee für zwei Wochen beurlaubt hatte, unversehrt ist. Schlögel mahnte an, sich die Phänomenologie der Gewalt in der Ukraine vor Augen zu führen: den Sadismus marginalisierter fernöstlicher Soldaten in Butscha, die erstaunt waren über den relativen Komfort dort, und die Orchestrierung der Gewalt durch russische Fernsehpropagandisten, die dazu aufriefen, Atombomben auf London oder Berlin abzuwerfen.
Author: KERSTIN HOLM
Published at: 2026-02-22 16:21:50
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