Seit 2021 lebe ich in Kiew. An die Bomben habe ich mich gewöhnt. Doch vor der Kälte musste ich kapitulieren

Seit 2021 lebe ich in Kiew. An die Bomben habe ich mich gewöhnt. Doch vor der Kälte musste ich kapitulieren


Jetzt in die Küche zu gehen, hinaus in die Eishöhle, um das Wasser für den Kaffee auf dem Gasherd zu kochen, verlangt übermenschliche Anstrengungen. Auf dem Weg werde ich von einer zierlichen Grossmutter angesprochen, die in einen dicken Mantel gehüllt ist: «Entschuldigen Sie, junger Mann, gehen Sie in diese Richtung?», fragt sie mich und zeigt auf das Ende der Allee. Sie blickt durch das Fenster des überhitzten Waggons auf die polare Landschaft und seufzt: «Wann wird das alles endlich vorbei sein?» Da wir keine Antwort darauf haben, versinken wir beide in angenehmes Schweigen, während der Zug durch die ukrainische Nacht rast und auf die Lichter der polnischen Grenze zusteuert, die so nah und doch so fern sind, und weiter hinaus auf ein Europa in Frieden.

Author: Auswärtige Autoren (NZZaS)


Published at: 2026-01-25 04:30:00

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