Salzburger Festspiele: Wer tut sich Salzburg jetzt noch an?

Salzburger Festspiele: Wer tut sich Salzburg jetzt noch an?


Würde man im Sport, bei einem Club der Champions League je sagen: „Schlechte Stimmung und schlechtes Benehmen dürften nicht länger durch guten Fußball entschuldigt werden?“ Das Auftreten der österreichischen Politik gegenüber Hinterhäuser zeugt vom Klimawandel im Umgang mit der Kunst: Nachdem der Kunstbetrieb selbst zusammen mit den Aktivisten des „progressiven“ Milieus über Jahrzehnte hinweg die Parole grölte, man müsse die elitäre Kunst vom Sockel stoßen, blickt nun auch die Politik nicht mehr zur Kunst hinauf, sondern auf sie herab. Die österreichischen Kommentatoren vermerkten in den letzten Wochen, dass die konservative ÖVP, die jahrzehntelang die Schutzmacht der Kunst in der Republik war, ihr Interesse an und ihre Kompetenz in der Kultur verloren habe, während die SPÖ das gezielte Elitenmobbing – in Wien spricht man vom „linken Trumpismus“ – als Wählerbindungsstrategie entdeckt habe. Der ganze unnötige Streit – ausgelöst vom Widerspruch zwischen einem offiziellen Bewerbungsverfahren um die Schauspieldirektion und Hinterhäusers freiem Recht zur Besetzung derselben – lähmte die Entscheidungsfähigkeit des Kuratoriums wie der Intendanz in einer Situation, da ein Programm für das größte Festival der Welt auf dem Gebiet der performativen Künste und die Sanierung des Festspielbezirks mit derzeit anvisierten Kosten von knapp 400 Millionen Euro geplant werden müssen.

Author: Jan Brachmann


Published at: 2026-03-20 17:02:13

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