Und zwar aus Gründen, die einen Punkt betreffen, den die Berlinale nach Möglichkeit so wenig wie möglich berühren möchte: die in der internationalen Welt der Kultur nach wie vor virulente Frage, wie sich Menschen zum Krieg in Gaza verhalten. So meldete sich am Mittwoch bei der Pressekonferenz zur Vorstellung der internationalen Jury der Journalist Tilo Jung zu Wort und berührte in offensichtlich genau gewählten Worten den wunden Punkt des Festivals: „Im Licht der Unterstützung der deutschen Bundesregierung für den Genozid in Gaza“ fragte er die Jury, ob sie sich zu diesem „selektiven Umgang mit Menschenrechten“ auf der Berlinale erklären wollte? Schon damals, als das Massaker vom 7. Oktober noch sehr unmittelbar präsent war, hatten Filmemacher auf offener Bühne den Krieg Israels kritisiert und dabei auch den Begriff Genozid in Stellung gebracht, der seither zu einem diskursiv alles entscheidenden Kriterium geworden ist: Wer den Krieg nicht als Genozid bezeichnen oder zumindest die Implikationen des Begriffs genauer diskutieren möchte, gerät in die Nähe von Rechtfertigungen einer Kriegsführung, die inzwischen ja sogar von Bundeskanzler Merz hinterfragt wurde.
Author: Bert Rebhandl
Published at: 2026-02-14 12:27:17
Still want to read the full version? Full article