Regie-Ausnahmetalent Jan-Christoph Gockel kastriert „Faust“ und „Wallenstein“

Regie-Ausnahmetalent Jan-Christoph Gockel kastriert „Faust“ und „Wallenstein“


pfers Schiller weisen ein erhebliches Chauvi-Risiko auf.Wer dieses in durchweg kanonverdächtigen Inszenierungen herausstellt, ohne in einen didaktischen, moralisierenden Feminismus zu verfallen, ist das Regie-Ausnahmetalent Jan-Christoph Gockel, der Castorf der Gegenwart, ein wahrer Schauspielberserker, der die Bühne zu bildgewaltigen Spektakeln nutzt.Ganz aktuell brilliert sein für das Berliner Theatertreffen nominierter Wallenstein an den Münchner Kammerspielen. Die räumlichen Voraussetzungen sind dafür allemal gegeben, setzt doch die Realisierung mit einem gigantischen Küchenstudio ein – selten wurde man einer derart starken Metapher für den Krieg und den Rauch der Schlachtfelder gewahr, der nun den Töpfen entsteigt.Derweil bringt nicht nur der Verschwörer erheblichen Testosteronstau mit, sondern ebenfalls eine zur Analogie dienende Figur aus der Wirklichkeit: Jewgeni Wiktorowitsch Prigoschin. Wegen dieser Dramatik präsentiert uns der Regisseur den ersten Teil der Tragödie auch in einer zwanzigminütigen Fahrt durch eine auf der Bühne errichtete Geisterbahn.Dabei deklamiert Mephisto die prominenten Sätze des Textes und streift mit der Handkamera die einschlägigen Szenen, dargestellt von sich wie Roboter bewegenden Spieler:innen.

Author: Björn Hayer


Published at: 2026-02-11 16:04:00

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