Rechter Verlag auf der Buchmesse in Italien: Ein kleines Lehrstück im Kulturkampf

Rechter Verlag auf der Buchmesse in Italien: Ein kleines Lehrstück im Kulturkampf


Und zwar wegen den Auftritten prominenter Figuren aus dem Umfeld der „Identitären Bewegung“ an einem Verlagsstand in der Halle 4 und der damit verbundenen Tumulte, die schon wegen des Polizeieinsatzes und der überforderten Messeleitung mittendrin Spektakel-Charakter aufwiesen.Im darauf folgenden Jahr versuchte man, das Problem dadurch zu minimieren, dass man die rechtsextremen Verlage in eine kleine Sackgasse des Messegeschehens verbannte, was wiederum ein willkommener Aufreger für die „rechtsoffenen“ Publizisten und den bekannten Opfer-Mythos war. Auch die Vereinigung der Bibliotheken von Rom schloss sich einer symbolischen Aktion an: Am 6. Dezember, dem publikumsstarken Samstag der Messe, schlossen viele Aussteller ihre Stände und löschten immerhin für eine halbe Stunde die Lichter als Protest, dazu wurden Flugblätter mit kritischen Stellungnahmen verteilt: Genau so finster würde es aussehen mit der Kultur, wenn die Faschisten die Macht hätten. Dieses Dilemma der Freiheit ist heute so aktuell wie es damals in der Nachkriegszeit war.In den folgenden Dezemberwochen allerdings ging es in der öffentlichen Diskussion um die Ereignisse bei „Più libri, più liberi“ weniger um die Abgrenzung der Veranstalter und der Teilnehmer der Messe von rechtsextremen und faschistischen Verlagen, sondern um die Konflikte um die richtige Art der Reaktion.

Author: Georg Seeßlen


Published at: 2025-12-30 15:14:00

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