„Nurejew“ in Berlin: Er liebte Russland und hasste das System

„Nurejew“ in Berlin: Er liebte Russland und hasste das System


Rechts begrenzt eine historische, mit weißen Vorhängen dekorierte Fensterfront mit darunter angebrachten Ballettstangen die Bühne, links ist es eine Spiegelwand, vor die man einen Vorhang ziehen kann und vor der von Anfang an die Absperrgitter stehen, auf deren anderer Seite der Überläufer Nurejew bei seiner Flucht in den Westen am 17. Juni 1961 glücklich gelangt. Dass Nurejew auf dem Pariser Flughafen um Asyl bat, in dem Moment, in dem man ihn nach Russland zurückfliegen wollte, anstatt ihn nach London mitzunehmen, wohin die Tournee des Kirow-Balletts als Nächstes führte, begründete sich in seiner Weigerung, von der Welt und in ihr von der internationalen Ballettwelt ausgeschlossen zu bleiben, einer Welt, in der Choreographen wie Frederick Ashton, George Balanchine und Jerome Robbins arbeiteten, in der Partnerinnen wie Margot Fonteyn, Carla Fracci und Merle Park warteten. Einer Welt, in der man die Sofas der verstorbenen Maria Callas ersteigern konnte, die Reling einer Yacht im Sommer die Ballettstange ersetzen würde, und einer Welt, in der man von Erik Bruhn lernen und ihn lieben konnte.

Author: Wiebke Hüster


Published at: 2026-03-23 19:14:05

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