Auf diesem Weg scheint die sich Jahr für Jahr personell in Teilen immer neu zusammengesetzte Jury fortschreiten zu wollen, schaut man sich die fünf Romane an, die sie für 2026 nominiert hat: Bis auf Elli Unruh, die im kleinen Berliner Transit Verlag ihren Debütroman „Fische im Trüben“ über das Leben einer mennonitischen Gemeinde in Kasachstan veröffentlicht hat, und mit Abstrichen die junge Berliner Autorin Helene Bukowski, die mit ihrem erst dritten Roman „Wer möchte nicht im Leben bleiben“ nominiert wurde (aber schon viel Aufmerksamkeit für ihre Vorgänger „Milchzähne“ und „Die Kriegerin“ erhielt), kann man bei der Auswahl fast von einer klassischen sprechen. In diesem Frühjahr ist von ihm mit „Im ersten Licht“ einer seiner besten, in jedem Fall außerordentlichsten Romane veröffentlicht worden, ein Jahrhundertroman mit einer Hauptfigur, die als solche sich zunächst nur schwer erkennen lässt: Sie heißt Adrian Reiter, ein Mann mit sprechendem Namen, der im Grunde immer nur mitläuft, im Ersten Weltkrieg und den Jahren danach, weil ihn sein Vater mit einer gezielten Verwundung davor bewahrt hat, in der NS-Zeit, in der Nachkriegszeit bis in die Gegenwart. Bei den letzteren lassen sich Jahr für Jahr Entdeckungen machen: Anjet Daanjes Roman „Das Lied von Storch und Dromedar“ (aus dem Niederländischen von Ulrich Faure), Gustavo Faverón Patriaus „Unten leben“ (aus dem Spanischen von Manfred Gmeiner), Auður Ava Ólafsdóttirs „Eden“ (aus dem Isländischen von Tina Flecken) und Irene Solàs „Ich gab dir Augen, und du blicktest in die Finsternis“ (aus dem Katalanischen von Petra Zickmann) sind weitgehend unbekannte Bücher; nicht allerdings András Viskys fulminanter, in den fünfziger Jahren zwischen Ungarn und Rumänien angesiedelter Aussiedler-Roman „Die Aussiedlung“, der von Timea Tankó übersetzt wurde.
Author: Gerrit Bartels
Published at: 2026-02-25 13:38:23
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