Neuerfindung des Antikriegsromans

Neuerfindung des Antikriegsromans


So legt es der heute 64-jährige gebürtige Österreicher, der seit vielen Jahren in Hamburg lebt und zu den wichtigsten deutschsprachigen Autoren der Gegenwart zählt, gleich zu Beginn von „Im ersten Licht“ bildstark dar, worum es im Folgenden gehen wird: um die mannigfaltige und dauerhafte Zerstörung der Menschen durch Gewalt, um die sichtbaren wie subkutanen Folgen von Krieg, der nicht aufhört, nur weil er zu Ende geht. Mit Ende des Zweiten Weltkriegs ist Adrian 44 Jahre alt und im Roman ist von „Stillhalteabkommen“ die Rede: „ein Stillhalteabkommen, das jeder mit jedem eingehen musste, fast ausnahmslos, und er hatte nicht die geringste Ahnung, wie man jemals wieder daraus herausfinden und sich ohne diesen doppelten Blick in die Augen sehen sollte“. Mit der Reise kommt ein ermordeter englischer Soldat ins Spiel, Teddy Stephen, der von den eigenen Leuten wegen angeblicher Feigheit vor dem Feind hingerichtet worden ist während des Ersten Weltkriegs – womit eines der verdrängten Lebensthemen Adrians ans Licht kommt, und damit eine Form des Nachdenkens über den Krieg im Text, die resümierenden Charakters ist: „Vielleicht war das die einzig mögliche Haltung, nicht in den Krieg zu wollen und im Grunde genommen gegen den Krieg zu sein, aber trotzdem in den Krieg zu gehen, wenn es um die gerechte Sache ging, an der natürlich alles hing.“

Author: ORF.at


Published at: 2026-02-16 21:08:35

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