Monroe-Doktrin: Wie aus Amerikas Schutz eine Drohung wurde [premium]

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Als der fünfte Präsident 1823 vor dem Kongress seine Vorstellungen für eine langfristige Orientierung der US-Außenpolitik präsentierte, waren die Vereinigten Staaten in ihrer Existenz gefährdet und in der Defensive: Man hatte den Krieg gegen die Briten um Kanada verloren, die Hauptstadt Washington war niedergebrannt. Aber schon ein Jahr später verkündete Präsident Theodore Roosevelt ein „Corollary“, eine Ergänzung zur Monroe-Doktrin, durch die aus der Schutzmacht USA eine Kontrollmacht wurde: Wenn eine Nation Lateinamerikas „Ordnung hält“ und ihre „Schulden bezahlt“, brauche sie „keine Einmischung vonseiten der Vereinigten Staaten zu befürchten“ – eine kaum verhüllte Drohung für den umgekehrten Fall. Denn in der Epoche Monroes, lange vor einem kodifizierten Völkerrecht, war es tatsächlich noch legal möglich, sich Territorien gegen Entgelt einzuverleiben: 1803 erwarben die USA die französische Kolonie Louisiana, grob gesagt die gesamte Mitte der heutigen USA, im größten Grundstücksgeschäft der Geschichte.

Author: Karl Gaulhofer


Published at: 2026-01-07 15:54:41

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