Ich kam in ein Land, das mir wie ein Paradies erschien, ein Land des Friedens, der Sicherheit und der unendlichen Möglichkeiten – und in eine Gesellschaft, die, auf dem Gipfel stehend, statt von Freude über das Erreichte von tiefer Furcht und Sorge erfüllt ist, ebendieses Erreichte zu verlieren. Projekte wie die Reaktivierung der nur knapp dreißig Kilometer langen Hermann-Hesse-Bahn, das durch den Perfektionismus seitens der Behörden zu einem finanziellen und schier nicht enden wollenden Desaster wurde, oder das Hickhack um die Nutzung von Grund und Gebäude der einstigen Gärtnerei in Ostelsheim haben mich gelehrt, dass in Deutschland das Streben nach unangreifbarer Rechtssicherheit und die Berücksichtigung jedes denkbaren Einwandes oft wichtiger sind als der gesunde Menschenverstand und das Gelingen eines Vorhabens. Weil ich meine Meinung zum problematischen politischen Übergang in Syrien offen äußere, weil ich mich für den Schutz von Minderheiten einsetze – nicht nur aus eigener Betroffenheit, sondern aus der tiefen Überzeugung, dass ein neues Syrien nur auf Pluralismus und gegenseitigem Respekt aufgebaut werden kann –, werde ich angefeindet und von jenen, die die totalitären Ideologien, vor denen wir geflohen sind, mit nach Deutschland gebracht haben, gar als Verräter beschimpft.
Author: Ryyan Alshebl
Published at: 2026-02-01 11:32:58
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