„Kassandra“ in Bielefeld: Kriegskritik mit Groove

„Kassandra“ in Bielefeld: Kriegskritik mit Groove


Dem Pathos begegnet die hellsichtige Priesterin mit Ironie und Sarkasmus, schüttelt den Kopf über den Unverstand der kriegenden Männer — doch auch der Frauen: Penthesileia, die Amazonenkönigin, die gegen alle Männer kämpft, ist Kassandra „eine Spur zu grell“. Eine gelungene Gemeinschaftsproduktion, bei der nicht ein Komponist als künstlerischer „Held“ gefeiert wird, sondern der komponierende Arrangeur Stefan Behrisch zusammen mit dem Sounddesigner Mathis Nitschke die musikalische Bühne bereitet für Kassandra/Christina Huckle, die Christa Wolfs gekürzten Text spricht und spielt. Die Dramaturgie droht in Episoden zu zerfallen, wenn nach der Ermordung des Troilos auch noch Achills rachsüchtiges Durch-den-Staub-Schleifen der Leiche Hektors, die Schändung der toten Penthesileia sowie der Missbrauch von Kassandras geliebter Schwester Polyxena aneinandergereiht werden.

Author: Anja-Rosa Thöming


Published at: 2026-02-23 17:47:51

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