Habermas war nicht nur produktiv, er verstand es auch, seine Begriffe und Stichworte in der Öffentlichkeit zu platzieren: „Strukturwandel der Öffentlichkeit“, „Legitimationsprobleme im Spätkapitalismus“, „Der philosophische Diskurs der Moderne“, „Die neue Unübersichtlichkeit“, „Die postnationale Konstellation“ bis zu „Auch eine Geschichte der Philosophie“ im Jahr 2009. „Wir verneigen uns vor einem großen Denker, dessen Stimme über Jahrzehnte Orientierung in den entscheidenden gesellschaftlichen Fragen gegeben hat – wir verneigen uns vor einer intellektuellen Instanz.“ Habermas habe mit Weitblick und historischer Größe politische und gesellschaftliche Entwicklungen begleitet, erklärte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) am Samstag in Berlin und fügte hinzu: „Seine analytische Schärfe prägte weit über die Grenzen unseres Landes hinaus den demokratischen Diskurs und wirkte wie ein Leuchtfeuer in tosender See.“ Habermas‘ soziologische und philosophische Arbeit habe Generationen von Forschern und Denkern geprägt. Steinmeier: Wir verlieren einen „großen Aufklärer“ Bundespräsident Steinmeier schrieb in einer Kondolenz an die Familie des Verstorbenen: „Mit Jürgen Habermas verlieren wir einen großen Aufklärer, der die Widersprüche der Moderne durchmessen hat.“ Nach dem Zweiten Weltkrieg habe er „maßgeblich dazu beigetragen, dass die intellektuelle Öffnung unseres Landes für die politische Kultur des Westens nach dem Zweiten Weltkrieg gelang“.
Author: WELT
Published at: 2026-03-14 16:42:00
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