Wer sich einmal in den kleinen spanischen Grenzort Portbou am nordöstlichen Rand der Pyrenäen begeben hat, um den Weg nachzuvollziehen, den Walter Benjamin im September 1940 kurz vor seinem Tod über die Berge gegangen ist, bekommt eine sehr konkrete und schmerzliche Vorstellung von der Verzweiflung und Ausweglosigkeit, der er und so viele andere auf der Flucht vor den Nationalsozialisten ausgesetzt waren. In ihrem Buch „Die Abschottung der Welt“ zeigt die Historikerin Susanne Heim, wie systematisch diese ausweglosen Situationen zwischen 1933 und 1945 hergestellt wurden: Flucht vor den Nationalsozialisten bedeutete, sich in ein Labyrinth widersprüchlicher Aus- und Einreisebestimmungen zu begeben, in dem Visa, Pässe und Transitpapiere kurzfristig notwendig oder ebenso plötzlich ungültig sein konnten. „Auch das US-Außenministerium“, so Susanne Heim, „lehnte Gespräche über die Aufnahme von Flüchtlingen ab, mit dem Argument, die Flüchtlingspolitik sei eine innere Angelegenheit und könne nicht Gegenstand von Verhandlungen mit dem Hochkommissar des Völkerbundes sein.“ In Berlin meinte der US-Vizekonsul, die Sorgen, in ein Lager eingewiesen zu werden, seien übertrieben.
Author: Tania Martini
Published at: 2026-04-04 08:51:15
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