Doch selbst wenn es in Kürze zu einem (innenpolitisch motivierten) Rückzug der USA und einem Waffenstillstand käme, ist der Schaden bereits jetzt erheblich: Die OECD senkt das erwartete Weltwirtschaftswachstum für 2026 auf 2,9 Prozent und für 2027 auf 3,0 Prozent – obwohl sie ohne den Krieg ihre Prognose für 2026 um 0,3 Prozentpunkte auf 3,2 Prozent angehoben hätte. Große Energieimporteure in Asien und Europa tragen die Hauptlast der höheren Öl‑ und Gaspreise, während viele Länder in Afrika, im Nahen Osten, Asien‑Pazifik und Lateinamerika zusätzlich unter höheren Nahrungsmittel‑ und Düngemittelpreisen sowie verschärften Finanzierungsbedingungen leiden. Auch wenn der „Geist der Inflation“ wieder aus der Flasche ist und Märkte die Kombination aus Energieschock, verschuldeten Volkswirtschaften und versteckten Verwundbarkeiten im Finanzsystem unterschätzen, ließe sich dieselbe Diagnose in einem optimistischeren Szenario auch umkehren: Sollten sich Politik und Gesellschaft nicht damit abfinden, Schocks nur zu verwalten, sondern sie zum Anlass nehmen, Strukturen zu verändern, kann aus dem Krisenmodus heraus eine robustere Ökonomie entstehen.
Author: Karl-Theodor zu Guttenberg
Published at: 2026-04-02 15:13:00
Still want to read the full version? Full article