In Belarus finden die Toten keine Ruhe [premium]

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Man lernt es nämlich nebenher, schon als Kind, indem man die Älteren beobachtet und ihrem Beispiel folgt, und so verbinden sich nach und nach die eingeübten Riten der Familie mit einer stillen Ethik, die vermutlich niemand erklären könnte. So wie man versuchen könnte, Gräber zu kennzeichnen, die gepflegt werden sollten, und solche, die nicht gepflegt werden sollten, können autoritäre Regime erklären, es sei ihr Recht zu entscheiden, wem eine friedliche Ruhe gewährt wird und wem verweigert. Das wurde in den verschiedenen historischen Epochen von Schamanen und Mönchen, Dichtern und ­Chronisten, Archivaren, Ethnografen oder ­älteren Dorfbewohnerinnen übernommen, die – oft ohne lesen und schreiben zu können – ihre Sinne auf die Vergangenheit gerichtet hatten.

Author: Olga Bubich


Published at: 2026-04-03 12:04:59

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