Was damit gemacht wurde, hat Karl Heinrich Ritter von Lang süffisant beschrieben, der als hoher Beamter im bayerischen Staatsdienst diente: „Da der König nichts las und keine besondere Liebhaberei für irgendeinen Zweig der Künste oder Wissenschaften hegte, so wenig als für Jagd und Reiterei, dabei auch kein Schwelger und kein Trinker war, so blieb es eine schwere Aufgabe für die Höflinge, den Tag mit Spazierengehen, Liebeleien, verkappten Hofnarren, Stadthistorien und Kleinigkeitskrämereien aller Art auszufüllen. Die Leitung der Staatsgeschäfte war unter solchen Umständen ausschließlich dem Grafen Montgelas überlassen.“ Während der allmächtige Minister mit einem qualifizierten Stab Bayern in die Moderne trieb, zogen es viele Adlige vor, sich am Hof zum einen ein Auskommen und zum anderen in der Nähe zum Monarchen ihren Rang zu sichern. Nur in der Umgebung der Königin und ihrer Kinder bekleideten sie höhere Posten, die, wie bei Männern gleichen Ranges, mit erheblichen Privilegien verbunden waren: Sie erhielten eine Wohnung in der Residenz inklusive Holz und Licht, eine eigene Magd, freien Bezug von Medikamenten aus der Hofapotheke sowie kostenlose Behandlung durch die Hofärzteschaft.
Author: Berthold Seewald
Published at: 2026-01-17 06:20:48
Still want to read the full version? Full article