"Halbseidene Hausfrauen": Vom Nazi-Puff in die Bundeskunsthalle

"Halbseidene Hausfrauen": Vom Nazi-Puff in die Bundeskunsthalle


Katharina "Kitty" Schmidt war im Berlin der Kriegsjahre eine einflussreiche und wohl auch respektierte Gastgeberin, und zugleich war sie das, was abschätzig "Puffmutter" genannt wird: eine Frau, die ihren Körper und vor allem die Körper vieler anderer, meist jüngerer, verkauft - und verkaufen muss. Von besonderem Interesse ist die Rolle, die der "Salon Kitty" im Nationalsozialismus spielte, weil seine Damen nicht einfach in eine der - zahlreichen - Kategorien fielen, die im jovialen wie offiziellen Berliner Jargon der Zwanziger- und frühen Dreißigerjahre bekannt waren: "Bordsteinschwalben" etwa, die ihre Kundschaft in der Öffentlichkeit anwarben, auf Sado-Maso Spiele spezialisierte "Stiefelmädchen" oder minderjährige "Telefonmädchen". Die Autoren Julia Schrammel und Urs Brunner haben so gut wie alles, manchmal auch Widersprüchliches, aufgeschrieben, was über Umstände, Ort und Personen in der "Pension Schröder" bekannt ist, die sich nach 1945 im Erdgeschoss der Giesebrechtstraße 11 befand und die später von Kittys Tochter Kathleen Matei als "Künstlerpension Florian" betrieben wurde.

Author: Peter Littger


Published at: 2026-01-10 17:21:03

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