▶ Das ist auch etwas sehr typisch westdeutsches, und Habermas ist sicher ein Philosoph, dessen Werk und Lebensgeschichte man nicht trennen kann von der Geschichte der Bundesrepublik – auch diese Hinwendung zu den USA und dieses positive Amerika-Bild, das Sie beschreiben, ist ja durchaus typisch für seine Generation, die westdeutsche Nachkriegsgeneration. Philipp Felsch: Historisch ist die alte Bundesrepublik erstmal der deutsche Teilstaat, der nach der Niederlage im Zweiten Weltkrieg gegründet worden ist, der sicherlich eine ganz eigene Kultur ausgebildet hat: die Bonner Republik, die wir mit vielen Attributen belegen können, die dann gut zu Habermas passen. Für Habermas waren das letztendlich Tugenden dieses Landes: Kein Manko, sondern Garantien dafür, dass diese Bundesrepublik zumindest in den späten 1980er-Jahren, als die großen Kämpfe zwischen seinem eigenen linksliberalen Lager und dem konservativen Lager gekämpft waren – die letzte große Auseinandersetzung dieser Art war der Historikerstreit – da hatte Habermas glaube ich ein paar Jahre lang das Gefühl, dass diese postnationale politische Kultur und universalistische Identität – er hat damals den Begriff des "Verfassungspatriotismus" wieder aufgegriffen – in der Breite angekommen war.
Author: Rüdiger Suchsland
Published at: 2025-12-28 11:00:00
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