Dimitré Dinevs Riesenroman: Allein Sex hat metaphysischen Gehalt

Dimitré Dinevs Riesenroman: Allein Sex hat metaphysischen Gehalt


Man stelle sich vor: Irgendwo in Österreich, weit von den heißen Rädern der Geschichte entfernt, stehen ein sowjetischer und ein amerikanischer Militär zusammen mit einem bulgarischen Hund und dessen Besitzer, einem Wehrmachtssoldaten, der die eigene Hinrichtung wundersam überlebt hat. Das genügt dem Roman mal zu seinem performativen Humanismus, wird oft aber auch zur Plattitüde: in manch ungelenkem Dialog, der im besten Fall schelmenhaft daherkommt, oft aber kitschig und gewollt, in manchen erwartbaren Wendungen und Figuren, wie der des Hippies Ronny, der im Badezimmer Camus liest und nach Indien reisen will und später zum SPÖ-Kommunalphilister geworden ist, oder denen der zweitrangigen kommunistischen Apparatschiks mit gelben Zähnen und grauen Anzügen. Sich denjenigen aus der mittleren oder letzten Reihe der Mitlebenden zuzuwenden und so die Mächtigen der ersten Reihe und „die Geschichte“ (die im Singular wohlgemerkt) in den Hintergrund zu stellen, ist ein alter literarischer Hut.

Author: Luca Vazgec


Published at: 2026-02-14 17:55:03

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