Denn die Wirklichkeit, die die Texte der christlichen Bibel beschreiben, ist so gewaltsam, dass Friede – wenn überhaupt – nur ein endzeitliches Hoffnungsgut bleibt, welches in der Gemeinschaft derer, die zu christusbezogenem Frieden ermahnt werden, höchstens punktuell und vorab aufblitzen kann und immerzu Gegenstand apostolischer Ermahnung, weil: schwer umsetzbar, bleibt. So benennt die Denkschrift die neuen friedensethischen Herausforderungen, die insbesondere durch den völkerrechtswidrigen Überfall Russlands auf die Ukraine im Februar 2022 entstanden sind, und leitet von hier aus die Aufgabe ab, frühere Papiere der EKD zum Thema (besonders von 1981 und 2007) zu überdenken. Wenn die erstrebte „zivile Konfliktbearbeitung und der Primat des Gewaltverzichts, der sich theologisch in der wirkmächtigen Tradition des jesuanischen Nachfolgeethos der Bergpredigt sowie in der Nächsten- und Feindesliebe findet“, als „wichtige Signaturen einer Sicherheitslogik“ bezeichnet werden, so wird die Widerständigkeit biblischer Einzelaussagen – wie Jesu Aufforderung zur Feindesliebe – konzeptionell vorschnell eingeebnet.
Author: Eve-Marie Becker
Published at: 2025-12-28 15:46:07
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