Sie beleuchten auch die Hintergründe einer Rede, die als eine der bedeutendsten der Bundesratsgeschichte gilt, ja als Zäsur in der Weltkriegsdebatte: über die Schweiz und ihre Schuld – gehalten im Mai 1995 von Bundespräsident Kaspar Villiger. «Nach reiflicher Überlegung und vielen Gesprächen» sei er zum Schluss gekommen, «dass der Bundesrat gut daran täte, sich für die in der Vergangenheit gegenüber den verfolgten Juden begangenen Fehler zu entschuldigen», heisst es im Protokoll der Sitzung. Aussenminister Cotti fragt: «Werden in der Rede auch die positiven Aspekte der damaligen Politik erwähnt?» Otto Stich ist bereits im Rechtfertigungsmodus: «Die Entschuldigung bedeutet nicht, dass wir künftig alle Flüchtlinge aufnehmen können.» Er nimmt gar Bezug auf die berüchtigte Metapher des damaligen Justizministers Eduard von Steiger: «Auch damals war das Boot teilweise voll.» Die Innenministerin Dreifuss bestärkt Villiger: «Cela est bien pour le pays» – das ist gut für das Land.
Author: Marc Tribelhorn (tri)
Published at: 2025-12-31 23:01:00
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