Das Land der Preußen mit der Seele suchend

Das Land der Preußen mit der Seele suchend


Denn wir begannen es jetzt zu fühlen, was die Aufbau-Generation, die Handfesteres zu tun gehabt hatte, was aber in der Hauptsache die fanatisierten Utopisten der 68er außer Acht gelassen hatten: dass wir ein Land geworden waren, in dem der Sinn für Formen und Stil, für das Repräsentative und eine historisch vermittelte Identität verloren gegangen war. Die Nachbarschaft nicht des Gestrigen, sondern des Heutigen hat sie in städtebaulicher Hinsicht ruiniert, und so ist denn jenes gestaltlose Kulturzentrum um die Solitäre von Mies van der Rohe, Gropius und Scharoun der augenfälligste Beleg, dass die Epoche der Ensemble-Bildung nicht mehr fähig ist.“ Wie sehr gilt das erst, seit im Laufe der Jahrzehnte noch diverse Scheußlichkeiten hinzugekommen sind und das gesamte „Ensemble“, besser gesagt Sammelsurium, zu einem unfassbar missglückten Unort machen … Wo war das, was einst Eduard Spranger (von Tübingen aus!) Siedler gab zu bedenken: „Die Witzlebens und Moltkes, die Schwerins und Kleists, die Schulenburgs, Yorks von Wartenburgs und all die anderen – als Preußen untergeht, fehlt in der Liste der Gehenkten kaum ein Name von jenen, die Preußen groß gemacht haben.“ Cancel Culture von Walter Jens All diese Thesen, längst von Architekturexperten und Historikern Punkt für Punkt bestätigt, wirkten in der Zeit, da sie geäußert wurden, provozierend konservativ.

Author: Tilman Krause


Published at: 2026-01-15 11:20:02

Still want to read the full version? Full article