Berlinale-Wettbewerb: Hier ist eine Frau der beste Mann

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Die Vorlage des Films ist selbst ein Film, Marco Bellocchios Regiedebüt „Mit der Faust in der Tasche“ von 1965, das als Manifest einer zornigen und gelangweilten Wohlstandsjugend in die Kinogeschichte eingegangen ist, und so, als Porträt einer Generation und ihres Lebensgefühls, will auch „Rosebush Pruning“ gelesen werden. Aber der Film kommt nicht richtig zur Welt – in einem ganz wörtlichen Sinn, weil die Geschichte vom blinden Patriarchen, seinen verkommenen Sprösslingen und seiner verschwundenen Ehefrau nie wirklich Kontakt aufnimmt zu der Zeit, in der sie stattfindet, und der Umgebung, in der sie spielt. Dieser Augenblick kommt, nachdem sie mit einem Bären und diversen Mannsbildern fertig geworden ist, durch Zufall und den Stich einer Biene, und weil Rose zu diesem Zeitpunkt schon verheiratet ist und die Frau, die man ihr angetraut hat, ein Kind auf die Welt brachte, füllt sich das Drama wie von selbst mit Themen unserer Gegenwart, ohne dass der Film, der seine Bilder in ein körniges und schlichtes Schwarz-Weiß taucht, dabei groß nachhelfen muss.

Author: Andreas Kilb


Published at: 2026-02-15 18:20:53

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