Deutschland ist nicht nur ein Einwanderungs- sondern auch ein Auswanderungsland: Über eine Viertelmillionen Bundesbürger verlassen jedes Jahr dauerhaft das Land, mit steigender Tendenz; laut statistischem Bundesamt zieht „fast jeder fünfte eine Auswanderung in Erwägung.“ Anders als in den von Not geprägten Auswanderungswellen des 19. Jahrhunderts war dieses Spiel in jüngerer Zeit von einem gewissen Grundhedonismus geprägt: Es ging darum, sich etwas vorzustellen, das besser wäre als der Status quo, und oft waren neuere Auswanderungsphantasien nicht viel mehr als ein Ausdruck vermault-luxuriöser Genervtheit, wenn das Wetter schlecht war, man zweimal in einen in Rollsplit panierten Hundehaufen trat oder die unselige Bahn wieder mit Rekordverspätungen nervte. Sie glauben, Politikerinnen wie Kaja Kallas habe recht mit ihrer Behauptung, dass Putin 2029 die Nato angreifen werde – und spätestens an diesem Punkt knallt es in den harmonischen Abendrunden: Die Belege für Kallas Behauptungen seien ähnlich unbenennbar wie Wolfram Weimers geheimdienstliche Erkenntnisse über das Treiben unliebsamer Buchhandlungen, sagen die einen, und wie solle Russland, das es seit Jahren nicht schaffe, nennenswerte Landgewinne in der militärisch eigentlich hoffnungslos unterlegenen Ukraine zu erzielen und schon dort an seine Grenzen komme, sich ernsthaft an Nato-Länder wie Polen oder Finnland wagen? Doch seien, so „Global Setup“, auch „der Norden von Spanien und Andorra als eigenständiges Nicht-EU-Land hochinteressant“; dort sei „die Lebensqualität aufgrund der Natur und der Berge sehr hoch“, die in der Vergangenheit „weitgehend befreit vom Krieg“ geblieben seien „und voraussichtlich auch bleiben“, da sie keine strategischen Ziele darstellten.
Author: Niklas Maak
Published at: 2026-04-01 12:59:35
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